26.06.2020

Die Wirtschaft nach der ersten Welle: Richtige Schlüsse erst nach gründlicher Analyse möglich

Corona ist noch nicht überstanden, das Virus stellt weiterhin ein grosses Risiko dar. Dennoch zei-gen relativ konstante Fallzahlen und weitreichende Lockerungen, dass die erste grosse Welle in der Schweiz vorüber ist. Das Forum Winterthur hat im Zuge der aktuellen Entwicklungen mit Vertretern des KMU-Verbandes, der Handelskammer und Arbeitgebervereinigung, der Gastrobranche und der City-Vereinigung Junge Altstadt gesprochen, um aus erster Hand Einschätzungen zu möglichen Folgen einzuholen.

Dass die Krise Spuren hinterlässt, ist unbestritten. Wie stark und wo genau diese sich äussern, ist aktuell jedoch noch schwer zu beantworten. Bevor konkrete Schlüsse für die Wirtschaft gezogen werden können, sollte der Fokus auf die detaillierte Analyse einzelner Branchen gelegt werden. Die Behörden haben mit meist schnellem und unbürokratischem Handeln einen guten Job gemacht. Des Weiteren appellieren die Gesprächspartner an die Eigenverantwortung der Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Dass speziell kleine und mittlere Unternehmen gefährdet sind, die oft nicht über grosse Kapitalreserven verfügen, leuchtet ein. Dennoch lässt sich kein pauschaler Schluss ziehen: «Unsere Mitglieder sind in verschiedensten Branchen tätig. Die Auswirkungen der Krise sind sehr unterschiedlich, für einige sogar positiv. Während die Baubranche sehr gelitten hat, haben beispielsweise Lieferdienste grossen Zulauf erhalten», erklärt Christian Modl, Geschäftsführer des KMU-Verbands. «Für uns liegt der Fokus deshalb aktuell darauf, herauszufinden, was die einzelnen Branchen im Detail beschäftigt. Wir haben eine Umfrage unter allen Mitgliedern lanciert, deren Auswertung uns aufgrund des grossen Rücklaufs ziemlich beschäftigen wird. Basierend auf den Ergebnissen kann dann auf spezifische Bedürfnisse eingegangen werden.»

Das Zwischenresümee der Handelskammer und Arbeitgebervereinigung Winterthur liest sich ähnlich. Ralph Peterli, Geschäftsführer: «Es ist schlicht nicht möglich, ein allgemein gültiges Bild zu zeichnen. Sicher ist nur, dass Corona in der regionalen Wirtschaftsentwicklung tiefe Spuren hinterlässt und dass gerade die Exportwirtschaft äusserst gefordert ist.» Die Situation böte aber auch Chancen für Innovation: «Gerade der Digitalisierung kommt eine wichtige Rolle zu.» Grundsätzlich versprächen eigenverantwortliche unternehmerische Lösungen mehr Erfolg als staatliche Regelungen. Die Cluster-Initiative (Forum Winterthur berichtete) ist hierfür ein gutes Beispiel.

Auch Thomas Wolf, Mitglied des Grossen Gemeinderates (SVP), Chef des Wirteverbands Winterthur und selbst Restaurantbetreiber, bekommt die Unsicherheit direkt zu spüren: «Schön ist, dass wir im Moment das Restaurant wieder öffnen können. Es freut uns auch, dass der Stadtrat beschlossen hat, dass Restaurants während Corona mehr Fläche beanspruchen dürfen. Wir hoffen nun, eine gewisse Konstanz ins Geschäft zu kriegen.» Je nach Tag und Wetter kämen mal viele, mal sehr wenig Leute. Prognosen seien so noch schwieriger, entsprechend auch eine adäquate Personalplanung.

Remo Cozzio, Präsident der City-Vereinigung Junge Altstadt und Inhaber von Messer Cozzio, sagt, dass der Detailhandel seit der Öffnung einen grossen Konsum-Nachholbedarf gespürt habe, insbesondere auch, als die Grenzen zu Deutschland noch geschlossen waren. Er betont, dass die weitere Entwicklung zu einem grossen Teil vom Verhalten der Konsumenten und Betriebe abhängt. «Wir würden uns freuen, wenn die Leute Loyalität zeigen und lokal einkaufen, statt das Geld ennet der Grenze auszugeben. Das betrifft nicht nur Gastro und Detailhandel, sondern auch Freizeitaktivitäten und Ferien, die man in der Region machen kann.»

Red/ms

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