Forum Winterthur

02.06.2025
Fussverkehrsteppiche gefährden Sehbehinderte – trotz Vortrittsrecht für Blinde

Der Stadtrat zeigt sich zufrieden mit der Umsetzung der verkehrsberuhigten Stadthausstrasse. Der Schweizerische Blindenbund hingegen schlägt Alarm wegen der Aufhebung von Fussgängerstreifen in Tempo-30-Zonen.

Die Verkehrsbelastung auf der Stadthausstrasse wurde reduziert – wenig überraschend nach Einführung eines Autofahrverbots einige Jahrzehnte nach der entsprechenden Volksabstimmung. Das hätte man allerdings auch mit einer einfachen Fahrverbotstafel schneller und günstiger erreichen können. Mein Vorstoss 2020.103 zeigte diesen Weg auf, wurde leider aber ignoriert.

Unklarheit über Fussverkehrsteppiche
Laut Stadtrat sollen die sogenannten Mehrzweckstreifen durch Blickkontakt und Gesten zur Verständigung beitragen. Doch eine aktuelle (zugegebenermassen nicht repräsentative) Umfrage zeigt: Rund 45 % der Befragten wissen immer noch nicht, wozu die Fussverkehrsteppiche dienen oder dass Fussgänger dort keinen Vortritt haben. Für sehbehinderte Menschen ist das besonders gefährlich – sie können weder Blickkontakt aufnehmen noch erkennen, ob sie wahrgenommen werden.

Umsetzung nicht behindertengerecht
Zur Barrierefreiheit bzw. zur Aufhebung der Fussgängerstreifen äussert sich der Stadtrat nicht. Dabei sind Fussgängerstreifen für sehbehinderte Menschen zentral – insbesondere für die Orientierung mit Führhunden. Ohne Markierungen wird das sichere Queren massiv erschwert, was gemäss Schweizerischem Blindenbund gegen das Behindertengleichstellungsgesetz verstösst. Er fordert deshalb in einem Positionspapier, dass in Tempo 30-Zonen überall dort Fussgängerstreifen markiert werden, wo diese notwendig sind, um sichere und durchgängig vernetzte Fusswege für sehbehinderte und blinde Menschen zu gewährleisten. Eine entsprechende Anfrage von Alex Würzer (EVP) wird weitere Klärung zu diesem Thema bringen. An der Kreuzung Stadthausstrasse/Schmidgasse sowie beim Rathaus braucht es aus meiner Sicht dringend wieder Fussgängerstreifen.

Poller weiter problematisch
Die Sichtbarkeit der Poller bleibt ungenügend. Zwar wurde einer ersetzt, aber das reflektierende Band ist bereits grossflächig überklebt. Wäre es nicht endlich an der Zeit, die gesetzlich vorgesehenen «Bienen»-Poller zu verwenden?

Busse werden langsamer
Erstmals räumt der Stadtrat Fahrzeitverluste beim Stadtbus ein – obwohl auf diesem Abschnitt deutlich weniger Autos unterwegs sind als vor der Temporeduktion auf 30 oder auf anderen Strassenabschnitten.

Erkenntnisse für die Zukunft?
Die Verkehrsberuhigung hätte einfacher gelöst werden können. Die Entfernung der Fussgängerstreifen gefährdet sehbehinderte Menschen, Poller bleiben schlecht sichtbar und Busse fahren langsamer. Welche Lehren zieht der Stadtrat daraus für die Zukunft?

Romana Heuberger
Stadtparlamentarierin FDP
Präsidentin Stadtbaukommission, Mitglied Spezialkommission Richtplan

Ihre Meinungen

05.06.2025 | Edda Walraf

Vielen Dank dafür, dass der mit sich selbst zufriedene Stadtrat auf offene Fragen hingewiesen wird.

Es gibt aus meiner Sicht ein weiteres Problem. Kleinkinder müssen das Überqueren von Strassen lernen. Schon der Zebrastreifen ohne Ampel ist eine Herausforderung. Der "Teppich" ist, extrem schwierig. Wenn schon Erwachsene nicht wissen, wie es geht, wie sollen das dann Kinder lernen, dass sie möglichst sicher auf die andere andere Strassenseite kommen?
An den wichtigen Stellen, wie von Ihnen genannt braucht es Zebrastreifen, mit sichtbarem Vortritt für Fussgänger.
Besten Dank

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