12.02.2026 | Werner Schurter, Präsident «Winterthur: agil-mobil»
Winterthur braucht jetzt klare Prioritäten im Ausbau des öffentlichen Verkehrs
Die Bahnstrecke zwischen Winterthur und Zürich gehört zu den am stärksten befahrenen des Landes. Mit heute rund 670 Zügen pro Tag ist sie ein Nadelöhr. Umso wichtiger ist das Projekt Mehrspur Zürich–Winterthur, das mit dem neuen Brüttenertunnel, dem Ausbau des Bahnhofs Winterthur Töss und zahlreichen weiteren Infrastrukturmassnahmen endlich die dringend benötigte Kapazitätserhöhung bringt. Ab Ende der 2030er-Jahre sollen bis zu 900 Züge täglich verkehren können – ein bedeutender Fortschritt auch für Winterthur.
Umso unverständlicher ist es, dass zentrale Projekte wie die neue S-Bahn-Haltestelle Grüze Nord oder der Ausbau des Bahnhofs Oberwinterthur im aktuellen Ausbauschritt bis 2045 keine Priorität erhalten haben. Gerade diese Massnahmen wären entscheidend, um die Winterthurer Bahnhöfe besser miteinander zu vernetzen, Umsteigewege zu verkürzen und den Hauptbahnhof Winterthur zu entlasten. In der kommenden politischen Diskussion im Stände- und Nationalrat muss dieser Fehler korrigiert werden, damit die Zürcher S-Bahn auch im Horizont 2035/2040 weiterentwickelt werden kann.
Gleichzeitig ist sicherzustellen, dass das Projekt "Bahnhof Winterthur 2045+" von Stadt und Kanton in die nationale Planung "Bahn 2050" aufgenommen wird. Nur so kann Winterthur langfristig jene Infrastruktur erhalten, die einer wachsenden Stadt und einem modernen ÖV-System gerecht wird.
Der Bahnausbau beeinflusst zudem direkt die Planung von Stadtbus Winterthur und Postauto. Damit Busse ihre Fahrpläne einhalten und Anschlüsse zuverlässig erreichen, braucht es auf den Hauptachsen weiterhin Tempo 50 – wie es die Initiative «Frei Fahrt für den Bus» fordert. Der ÖV muss in Winterthur durch den Ausbau der Infrastruktur gefördert werden und darf in seiner Leistungsfähigkeit nicht durch immer mehr Tempo 30 Zonen ausgebremst werden. Da Winterthur eine andere Verkehrssituation hat, braucht es eine andere Verkehrspolitik als in der Stadt Zürich. Der Copy Paste-Ansatz des Departements Bau und Mobilität ist weder innovativ noch zielgerichtet.
Winterthur steht vor wichtigen Weichenstellungen. Damit die Stadt verkehrstechnisch nicht den Anschluss verliert, braucht es jetzt klare Prioritäten, den politischen Willen und entsprechende neue Mehrheiten, diese auch umzusetzen.
Werner Schurter,
Präsident «Winterthur: agil-mobil»
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