01.06.2024
Winterthur Consulting Group AG
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Weshalb brauchen wir Wachstum?

An den Finanzmärkten herrscht Verwirrung. Wachstumsverlangsamung sei gut für tiefere Inflation – und schon geht die Party weiter. Eine globale Rezession wäre noch besser für tiefere Inflation. Hoffen wir, dass es nicht so weit kommt. Möglich wäre es noch immer. In den kommenden Jahren stehen in der Schweiz wichtige Entscheidungen zur Ausweitung der Staatsaktivität und zur Beziehung mit Europa ins Haus. Bereits in den letzten 25 Jahren war die Wirtschaftsdynamik enttäuschend. Das könnte sich weiter verschlimmern.

Der Schweiz geht es in wirtschaftlicher Hinsicht sehr gut. Unser Volkseinkommen pro Kopf gehört zu den höchsten in Europa und der Welt. Unsere Arbeitslosigkeit ist im internationalen Vergleich sehr niedrig und bei uns herrscht Preisstabilität. Keine Frage, wir wollen wohl alle, dass das so bleibt. Dennoch müssen wir feststellen, dass die wirtschaftliche Dynamik des Landes seit Jahren abnimmt. Lag das Pro-Kopf-Wachstum in den 80er-Jahren noch bei

1.5 Prozent pro Jahr waren in den letzten zehn Jahren nur noch Wohlstandsgewinne von 0.9 Prozent pro Jahr zu verzeichnen. Im Vergleich zu anderen Ländern mit ebenfalls hohen Einkommen wie den Vereinigten Staaten und der Eurozone war das enttäuschend. Auch dort sind die Wachstumsraten pro Kopf rückläufig. In den letzten zehn Jahren betrug das Wachstum in jenen Ländern aber ungefähr das Doppelte von unserem. 

Warum Wachstum? Weil die Erfahrung lehrt, dass die politische Lage bei fehlendem Wachstum instabil wird und weil die Herausforderungen der Zukunft finanziert sein wollen. Das beste Beispiel für diese Thematik ist unsere Altersversorgung: Die an die allgemeine Einkommensentwicklung geknüpften Renten sind offensichtlich nicht stark genug gestiegen, sonst wäre es nie zu der populistischen Verfassungsänderung mit der Verpflichtung zur 13. AHV-Rente gekommen. Das verschärft die zukünftige und jetzt schon reale Schieflage des Rentensystems noch einmal gewaltig. Wachstum schafft Spielräume, um den gewollten ökologischen Umbau unserer Gesellschaft zu finanzieren. Wachstum schafft Möglichkeiten, die soziale Sicherung des Landes gezielt zu verbessern, und Wachstum schafft die Möglichkeit, endlich wieder ausreichend für die Landesverteidigung vorzusorgen. Ohne Wachstum wird all das nicht möglich sein. Wenn wir den Trend zu immer tieferen Pro-Kopf-Wachstumsraten brechen wollen, um unsere Gesellschaft stabil, sozial gerecht, klimaneutral und verteidigungsfähig zu gestalten, müssen wir (a) die Menschen motivieren wieder mehr zu arbeiten, (b) dringend die Hemmnisse der Produktivität abbauen und (c) das Wachstum des Staatssektors verringern. Und ja, es gibt noch etwas, was wir dringend sein lassen sollten: Ein vollkommener Alleingang in Europa würde uns weiteres Wachstum kosten. Seit dem Brexit-Entscheid der Briten ist deren Pro-Kopf-Wachstum um unglaubliche 0.5 Prozentpunkte pro Jahr gefallen.

Stabilität und verbesserte Anlageentscheide dagegen verschafft uns der Risikomanagementansatz WCG:ROB, eine einfache, regelbasierte und risikofokussierte Umsetzung der Entscheide. Besuchen Sie auch unsere neue WCG:ROB®-Webseite www.wcgrob.ch

Dr. Ralph Peterli / Rolf Gloor
Winterthur Consulting Group AG

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