01.09.2022

Softlanding – das Narrativ der Stunde

Die Finanzmärkte zeigten sich vor allem im Juli bis Mitte August in Hochsommerlaune. Danach stieg die Unsicherheit über den Verlauf der Inflation wieder an. Fallende Zinsen sorgten für steigende Kurse. Steigende Inflationserwartungen sprechen aber weder für tiefere Zinsen, noch sind anziehende Kurse in Erwartung einer Rezession logisch. Die Realzinsen sind immer noch zu tief und die Gewinnerwartungen an der Börse erscheinen immer noch zu hoch.

Der Herbst könnte ungemütlich werden. Demzufolge ist es noch zu früh, um vermehrt Marktrisiken einzugehen. Es ist dennoch sinnvoll, nicht zu weit vom Markt entfernt positioniert zu sein. Risikomanagement heisst das Zauberwort: Risiken bewirtschaften und nicht meiden!

Seit Mitte Juni beginnen die Finanzmärkte zu realisieren, dass eine Weltrezession ein durchaus realistisches Szenario geworden ist. Zumindest suggeriert das ein Blick auf die internationalen Obligationenrenditen. Mitte Juni rentierten zehnjährige Staatsanleihen in den Vereinigten Staaten noch 3.5% und in Deutschland 1.7%. Anfangs August waren die Zinsen für langlaufende Obligationen beider Länder gut 0.8% niedriger. Fallende Zinsen implizieren, dass alle Anlageklassen, die das Recht an einem zukünftigen Einkommensstrom wie Zinszahlungen, Dividenden oder Mieterträge einräumen, höher bewertet werden sollten. Und so ist es auch in der Folge des Zinsrückgangs fast lehrbuchmässig zu einer Erholung in fast allen Anlageklassen gekommen. Dabei schienen die Finanzmärkte allerdings bisher nur den Effekt einer schwächeren Konjunktur auf die Kapitalmarktzinsen sehen zu wollen. Die Erwartung von Rezessionseffekten bei Unternehmenserträgen scheint sich noch nicht eingestellt zu haben. So sind zum Beispiel in den letzten Wochen die Gewinnwachstumserwartungen der Finanzanalysten nur um einen Prozentpunkt zurückgegangen. Auch an den Obligationenmärkten sind die Risikozuschläge für Unternehmensanleihen minderer Schuldnerqualität zwar gestiegen, aber noch weit von Werten entfernt, die auf eine Rezessionserwartung schliessen lassen würde. Damit bleibt der Ausblick für risikoreiche Anlagen vorläufig insgesamt schwierig.

Die gute Stimmung an den Märkten wird sich aber nur halten können, wenn sich alles gemäss dem sich abzeichnenden Markt-Narrativ entwickelt. Die Marktteilnehmer hoffen dabei auf eine konjunkturelle Abkühlung, welche stark genug ist, um die Inflation einzudämmen. Gleichzeitig wird erwartet, dass dieser Rückgang so mild ist, dass die Unternehmen nicht darunter leiden. Möglich ist dieses Szenario, das auch Soft Landing genannt wird. Ein deutlich weniger freundliches aber eben auch!

In dieser unsicheren Ausgangslage versuchen wir mit unserem regelbasierten Ansatz WCGROB einen Weg aufzuzeigen. Wir glauben, dass es sich langfristig nicht lohnt am Aktienmarkt mit Abwesenheit zu glänzen. Zu gross ist die Gefahr bei einer Trendwende nicht dabei zu sein. Das haben wir in den vergangenen drei Jahren auch schon schmerzlich erfahren müssen. Wir erhöhen aber nicht blind unser Engagement, sondern lassen uns von unseren Trend- und Momentum-Signalen leiten. Dabei gilt unser Hauptaugenmerkt einer konsequenteren strategischen Umsetzung.

Winterthur Consulting Group AG
Rolf Gloor / Dr. Ralph Peterli

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