10.02.2026 | Sabine Ihringer
KMU Verband Winterthur und Umgebung fordert klare Priorisierung des Wirtschaftsverkehrs
Der KMU Verband Winterthur und Umgebung begrüsst, dass sich die Stadt Winterthur mit der «Grundlagenstudie Urbane Logistik / Wirtschaftsverkehr» vertieft mit dem Wirtschaftsverkehr auseinandersetzt. Die Studie ist ein wichtiges Signal dafür, dass die Bedeutung des Wirtschaftsverkehrs für den Wohlstand der Stadt erkannt wird. Aus Sicht des Verbandes weisen die bisherigen und geplanten verkehrspolitischen Massnahmen in eine verkehrspolitische Richtung, die den Bedürfnissen der Wirtschaft nicht gerecht wird.
Die Studie bestätigt zentrale Anliegen der Wirtschaft: Ein grosser Teil des Wirtschaftsverkehrs kann nicht auf andere Mobilitätsformen verlagert werden. Gleichzeitig beurteilt eine Mehrheit der befragten Unternehmen die Stausituation auf den Haupteinfallsachsen bereits heute als kritisch. Besonders deutlich wird zudem der Wunsch nach einer raschen Realisierung der Zentrumerschliessung Neuhegi–Grüze, einem der wichtigsten Arbeitsplatzgebiete der Stadt.
Positiv bewertet der KMU Verband, dass die Studie Massnahmen wie spezielle Parkfelder für den Güter- und Dienstleistungsverkehr sowie Ausnahmen bei Busspuren, Abbiege- oder Fahrverboten prüft. Diese Ansätze gehen in die richtige Richtung. Entscheidend ist jedoch, dass sie konsequent und zeitnah umgesetzt werden.
Gleichzeitig warnt der Verband vor einer Fehlinterpretation der Studie. Die Wirtschaft unterstützt Massnahmen wie Veloschnellrouten oder den Ausbau des öffentlichen Verkehrs – allerdings nur dann, wenn dadurch Kapazitäten für den Wirtschaftsverkehr auf den Hauptverkehrsachsen geschaffen werden. Derzeit werden zahlreiche Massnahmen umgesetzt, die den motorisierten Individualverkehr generell einschränken, also auch den Wirtschaftsverkehr. Davon sind Handwerksbetriebe, Dienstleister, Lieferanten und zahlreiche weitere KMU direkt betroffen.
Kritisch sieht der Verband zudem, dass der Wirtschaftsverkehr in der Studie nicht vollständig erfasst wurde. In der Verkehrszählung wurden Fahrzeuge ohne Firmenbeschriftung nicht berücksichtigt, obwohl auch sie in grosser Zahl wirtschaftlich unterwegs sind. Der tatsächliche Anteil des Wirtschaftsverkehrs dürfte deshalb deutlich höher liegen als ausgewiesen.
Sehr besorgt ist der KMU Verband über die geplante Reduktion des motorisierten Individualverkehrs um 50 Prozent bis 2040. Solange der Wirtschaftsverkehr nicht explizit von diesem Ziel ausgenommen wird, drohen erhebliche wirtschaftliche Nachteile. Eine beispielhafte Berechnung am Projekt Tösstalstrasse zeigt, dass bereits kleine Zeitverluste aufgrund von Verkehrsverlangsamungen jährliche Kosten in der Grössenordnung von mehreren hunderttausend Franken verursachen können.
Der KMU Verband Winterthur und Umgebung fordert deshalb:
- den Wirtschaftsverkehr klar vom Reduktionsziel auszunehmen,
- den gesamten Wirtschaftsverkehr – auch ohne Firmenbeschriftung – bei Planungen und Massnahmen zu berücksichtigen,
- praktikable Alternativen für Pendlerinnen und Pendler – wie P&R Möglichkeiten am Stadtrand mit öV-Anschluss zu schaffen und Parkierungsmöglichkeiten für Arbeitnehmende, welche ausserhalb der öV Zeiten anreisen, zu ermöglichen,
- sowie Zonen mit hoher verkehrlicher Erreichbarkeit für mobilitätsintensives Gewerbe am Stadtrand bei Autobahnanschlüssen einzuplanen.
Verkehr ist eine Begleiterscheinung wirtschaftlichen Erfolgs und darf nicht pauschal bekämpft werden. Er muss intelligent gelenkt und optimiert werden. Der KMU Verband ist bereit, konstruktiv an Lösungen mitzuarbeiten. Wichtig ist, dass der Wirtschaftsverkehr als unverzichtbare Grundlage für Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Lebensqualität in Winterthur nicht nur anerkannt wird, sondern bei Planungen und Massnahmen auch entsprechend behandelt wird.
KMU Verband Winterthur und Umgebung
Sabine Ihringer, Geschäftsführerin
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