24.01.2026 | Kaspar Vogel, Stadtparlamentarier Die Mitte
KI und digitaler Wandel: Muss es die Schule richten?
Ich beobachte, dass schon zehnjährige Kinder mit KI chatten und dass Jugendliche ihr Schönheitsideal durch die sozialen Medien erhalten. Es ist unbestritten, dass TikTok-Beautyfilter einen negativen Einfluss auf das eigene Schönheitsempfinden und auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen haben.
Die Liste liesse sich mit weiteren Einflussfaktoren, welche der digitale Wandel mit sich bringt, beliebig erweitern.
Die Gesellschaft ist sich einig, dass die Kinder und Jugendlichen dabei nicht allein gelassen werden dürfen. Alle kommen auf den immergleichen Lösungsvorschlag: Die Schule muss es richten!
Auch ich stimme zu, dass sich die Schule der Thematik annehmen muss. Digitalität ist in unserer Gesellschaft wichtig. Neben Lesen, Schreiben und Rechnen muss in der Volksschule der Umgang mit der digitalen Medienwelt gelernt werden. Im Raum steht sogar die Forderung, dass der Lehrplan um eine Digitalität-Kernkompetenz erweitert werden müsse.
Das führt zur Frage, und hier scheiden sich die Geister, was weggelassen werden kann. Wenn Frühfranzösisch infrage gestellt wird, monieren Sprachliebhabende, dass mit dessen Wegfall der Zusammenhalt unseres Landes auf dem Spiel stehe. Weniger Mathematik oder Deutsch ist für viele ein Tabuthema. Weniger Geschichte oder Geografie führt, besonders bei Betrachtung des heutigen Weltgeschehens, zu unmündigen Bürgerinnen und Bürgern.
Es ist zu vermuten, dass die handwerkliche, gestalterische oder musische Lobby am wenigsten Gehör fände. Genau hier liegt der Haken, weil in einer Welt, in der vieles nur noch am Bildschirm und digital passiert, unsere Kinder haptische und echte Wahrnehmungen besonders brauchen. Für meine Schülerinnen und Schüler sind stets die Ausflüge oder das eigene Ausprobieren besonders prägend. Ob das nun in Mathematik oder Französisch, in Musik oder Geschichte, stattfindet, bleibt zweitrangig. Die Schule wird sich wandeln müssen und unserer Jugend wieder vermehrt solche Erlebnisse ermöglichen.
Dafür müsste der Lehrplan aber nicht mit zusätzlichen KI-Kompetenzen erweitert, sondern es müsste Platz dafür geschaffen werden.
Für mich ist klar, dass die überladene Stundentafel zuerst entschlackt werden muss, bevor sich die Schule wieder einer neuen Sache annehmen kann.
Kaspar Vogel
Stadtparlamentarier Die Mitte
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