02.01.2023
Winterthur Consulting

Der Schein trügt...

Zinsen rauf, Börse runter. Das war die Geschichte des Börsenjahres. Inflation rauf, Konjunktur runter. Das war die Geschichte des Wirtschaftsjahres. Und im nächsten Jahr, genau umgekehrt? So stünde es im Lehrbuch, mal schauen was kommt. Die privaten Haushalte scheinen ungestört weiter zu konsumieren, obwohl die Kon-sumentenstimmung historische Tiefstände erreicht hat. Die Arbeitsmarktzahlen bleiben weltweit hartnäckig gut. Fast scheint es, als würde sich die allseits erwartete Re-zession nicht materialisieren. Aber der Schein trügt.

Setzt man die Aktienkursentwicklung und Konjunkturaussichten gleich, dann sollte der Anstieg der Aktienkurse in den letzten beiden Monaten vermuten lassen, dass die allseits erwartete Wachstumsverlangsamung vielleicht doch nicht so dramatisch ausfallen könnte, wie viele Beobachter mittlerweile vermuten. In die gleiche Richtung scheinen die anhaltend guten Nachrichten aus dem Arbeitsmarkt zu deuten. In Europa und den Vereinigten Staaten bleibt das Beschäftigungswachstum beharrlich stark und immer wieder macht der Ausdruck ‘Fachkräftemangel’ die Runde. Schliesslich scheint auch den Konsumenten und Konsumentinnen trotz rekordtiefer Stimmung die Lust am Geldausgeben nicht verleidet zu sein. Keine Frage, der russische Überfall auf die Ukraine hat die wirtschaftlichen Sorgen vergrössert. Ein weiterer Anstieg der Energiepreise hat die Inflation im vergangenen Jahr nochmals befeuert. So lag der Spitzenwert der amerikanischen Teuerung im Sommer bei satten 9.1%. Die europäische Inflation verzeichnete aufgrund der Gasabhängigkeit von Russland im Oktober sogar einen Höchstwert von 10.7%. Weshalb erleben wir dann immer noch einen angespannten Arbeitsmarkt? Ganz einfach, weil die Überhitzung der Wirtschaft, die uns bereits im vergangenen Herbst die hohen Inflationsraten beschert hat, eine Weile braucht, bis sie abgebaut ist. So ist z.B. die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten in den ersten neun Monaten des Jahres 2022 um gerade einmal 0.1% gewachsen und sogar in 2 von 3 Quartalen geschrumpft. Die berechnete Überauslastung der volkswirtschaftlichen Kapazitäten ist in der Folge aber nur von 2.1% auf 0.6% zurückgekommen. Damit hat eine deutliche Abkühlung der Konjunktur zwar stattgefunden, die Lage am Arbeitsmarkt ist aber folgerichtig immer noch angespannt. Auch ein Blick auf den Rezessionsindikator bestätigt, dass wir uns in einer historisch betrachtet normalen Geschwindigkeit auf eine Rezession zubewegen. Vergleicht man diese historisch durchschnittliche mit der aktuellen Entwicklung, dann sollte die Rezession tatsächlich erst zur Jahreswende einsetzen. ‘Finanzmärkte antizipieren die Zukunft. Manchmal auch Zukunft, die sich nicht materialisiert. Unzählig sind die erwarteten Rezessionen, die es nie gegeben hat. Und ebenso häufig sind die Aufschwünge, welche sich in Luft aufgelöst haben. Finanzmärkte können viel. Die Zukunft vorhersagen können sie nur selten. Dafür sind sie zu ungeduldig!’ Vorhersagen können auch wir die Aktienkursentwicklung nicht. Aber wir können mit unserem regelbasierten Ansatz WCGROB Ihr Aktienportfolio bewirtschaften. Im Sinne eines aktiven Risikomanagements steuern wir mittels Momentum- und Trendsignalen unsere Investitionsentscheidungen. Wir meiden Risiken nicht, wir bewirtschaften sie.

Mit den besten Wünschen zum Jahresbeginn

Winterthur Consulting Group AG
Dr. Ralph Peterli / Rolf Gloor

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