12.02.2026 | Lucia Angela Cavegn
Ausstellung «Münzbelustigungen. Goethes Reise nach Winterthur»
Johann Wolfgang Goethe war ein wandelndes Universalgenie. Mit seinem Drama «Faust I & II» und dem Roman «Die Leiden des jungen Werthers», aber auch mit dem Gedicht «Erlkönig» schuf er Weltliteratur. Weiter beschäftigte er sich mit der Farbenlehre, mit Botanik, Geologie und Mineralogie und nicht zuletzt war er ein eifriger Kunst- und Münzensammler.
An Marianne von Eyenberg schrieb er am 25. April 1803: «Zu unsern Zwecken ist nicht von raren Münzen die Rede, sondern nur von gut erhaltnen Exemplaren, aus denen, für bildende Kunst, bedeutenden griechischen und römischen Epochen» und weiter «So ist die Betrachtung von Münzen eine besonders belehrende Unterhaltung, indem man die Kunstgeschichte aus ihnen sehr gut studieren kann, besonders wenn sich das Auge am Marmor hinlänglich geübt hat».
Als Repräsentant der Weimarer Klassik setzte er sich mit der antiken Ästhetik auseinander. So sammelte er Abgüsse griechischer und römischer Skulpturen und rund die Hälfte seiner Münzsammlung bestand aus griechischen und römischen Münzen der Antike. Nach antiken Vorbildern – insbesondere der Alexandermünze - liess er 1824 für sich selbst eine Medaille beim Genfer Medailleur Antoine Bovy in Auftrag geben: Die Medaille, die Goethes Kopf im klassischen Seitenprofil abbildet, ist in der Kabinettausstellung nebst weiteren 61 Stücken aus Goethes Sammlung zu sehen. In derselben Vitrine befindet sich auch die sogenannte Alexandermünze, eine Tetradrachme mit dem Konterfei von Alexander dem Grossen (330-323 v. Chr.). Ausser Münzen aus der Antike, aus dem Mittelalter und aus der frühen Neuzeit sammelte Goethe auch Medaillen, vor allem aus der italienischen Renaissance.
Es ist das erste Mal, dass sich eine Ausstellung ausserhalb Weimars dezidiert der Münzsammlung des Dichterfürsten widmet. Der Ausstellungstitel geht auf Goethe selbst zurück: Unter diesem Begriff hatte er geplant, seine Münzsammlung zu veröffentlichen. Das Vorhaben wurde aber nie realisiert. Die Ausstellung im Münzkabinett holt dies sozusagen nach. Der erste Teil der Ausstellung, der von Juni bis September 2025 gezeigt wurde, bezog sich auf die Schweiz zu Goethes Zeiten, insbesondere während seiner Schweizer Reisen in den Jahren 1775, 1780 und 1797, die er noch in den Jahren vor dem Einmarsch der napoleonischen Truppen in die Schweiz unternommen hatte. Im zweiten, laufenden Teil der Ausstellung werden anhand der 62 Exponate einzelne Aspekte der europäischen Geschichte abgehandelt, so zum Beispiel die religiösen Auseinandersetzungen und deren wirtschaftliche Folgen. Die Exponate sind Leihgaben der Klassik Stiftung Weimar und der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) Winterthur.
Während seines Lebens hat Goethe rund 4000 Münzen und Medaillen zusammengetragen. Sie widerspiegeln sein breitgefächertes Interesse an Kultur, Geschichte und aktuellen politischen Geschehnissen während der 1820er Jahre. Besonders beschäftigt haben müssen ihn die religiösen Konflikte, die seit der Reformation Europa erschütterten. Fast alle Protagonisten des Dreissigjährigen Kriegs sind vertreten, aber auch das sogenannte Notgeld, das meist in Belagerungszuständen geprägt wurde, um die Knappheit der offiziellen Währung zu überbrücken, wie beispielsweise die sogenannten Görtzschen Notdaler. Von der schwedischen Königin Christina, die zum katholischen Glauben übertrat, befinden sich in Goethes Sammlung nicht nur Münzen, sondern auch 25 Medaillen mit antikisierendem Habitus. Interessant ist, dass Goethe auch Münzen der neugegründeten mittel- und südamerikanischen Staaten wie Mexiko, Chile, Peru und Haiti sammelte.
Bereits im 18. Jahrhundert, im Zeitalter der Aufklärung, erlebte die Numismatik eine Blütezeit. Über das wissenschaftliche Interesse hinaus wurde das Münzsammeln zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung, mit der man Wohlstand, Bildung und Kultiviertheit zum Ausdruck bringen konnte.
Lucia Angela Cavegn
Ausstellungsdauer bis 31. Mai 2026
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