Forum Winterthur

05.05.2026 | Lucia Angela Cavegn
Ausstellung «Frauen. Fragen. Fotoarchive.»

Die Fotostiftung Schweiz widmet sich seit 1971, ihrem Gründungsjahr, der Erhaltung, Erforschung und Vermittlung der Fotografie als Kulturgut der Schweiz. Ihre Sammlung umfasst rund 160 Nachlässe, welche die Schweizer Fotografiegeschichte dokumentieren. Im Verhältnis sind die Frauen mit 26 Positionen klar untervertreten, was mit den früheren Ausbildungs- und Berufsbedingungen zu tun hat.

Das Kuratorinnenteam – bestehend aus Mitarbeiterinnen der Fotostiftung Schweiz: Madleina Deplazes, Michèle Dick, Teresa Gruber, Linda Hodel und Katharina Rippstein – hat Nachlässe von sieben Fotografinnen, deren Geburtsjahre zwischen 1865 und 1925 liegen, ausgewählt, um deren Schaffen bekannter zu machen und deren Motivwahl sowie Lebens- und Berufsumstände zu untersuchen. Es sind dies die Fotografinnen Marie Ottomann-Rothacher (1916–2002), sowie exemplarische Werke von Anny Wild-Siber (1865–1942), Gertrud Dübi-Müller (1888–1980), Margrit Aschwanden (1913–2004), Hedy Bumbacher (1912–1992), Leni Willimann-Thöni (1918–2002) und Anita Niesz (1925–2013). 

Die Ausstellung «Frauen. Fragen. Fotoarchive.» präsentiert nicht nur exemplarische Werkgruppen, sondern auch Berufsutensilien und Dokumente aus deren Nachlässen. Zudem leistet die Schau eine wichtige historische Kontextualisierung mit Leihgaben des Gosteli-Archivs (Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung), wo Unterlagen der Schweizerischen Zentralstelle für Frauenberufe aufbewahrt werden. In der Zeit, als sich die Fotografie als neues Bildmedium etablierte, bildeten die Frauen, die ein eigenes Fotoatelier betrieben, eine Ausnahme. Die Mehrheit der im Fotofach arbeitenden Frauen war in einem Familienbetrieb integriert oder bei einem «Meister» angestellt. Eine im Zusammenhang mit der SAFFA (Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit) erhobene Zählung ergab, dass 1928 1490 Personen im Bereich Fotografie berufstätig waren, wovon 21 % bzw. 313 Frauen waren. Davon befand sich 270 Frauen im Angestelltenverhältnis, 43 waren selbstständig. Nicht selten verlieren sich die Spuren von Fotografinnen im Schatten ihrer Arbeitgeber. Besonders setzte man weibliche Angestellte für Laborarbeiten, Retusche und am Empfang ein. Andere, wie beispielsweise Anny Wild-Siber und Gertrud Dübi-Müller, waren gut situiert und konnten sich die Fotografie als «Hobby» leisten. Als autodidaktische Amateurfotografinnen besassen sie durchaus Ambitionen und Talent. So beteiligte sich Anny Wild-Siber mit ihren piktorialistischen Stillleben und Landschaften an internationalen Wettbewerben, und Gertrud Dübi-Müller dokumentierte mit ihrer Stereokamera Bergtouren, das gesellschaftliche Leben und die Grenzbesetzung 1914.

Marie Ottomann-Rothacher war nach ihrer Lehre im Fotoatelier von Heiri Steiner und Ernst A. Heiniger angestellt. An ihren freien Wochenenden fotografierte sie für Pro Juventute. Als freie Reporterin für Pro Juventute war auch Hedy Bumbacher unterwegs. Margrit Aschwanden, aus einer Urner Fotografenfamilie stammend, absolvierte ihre Lehre bei ihrem Bruder. 1944 dokumentierte sie für die Kinderhilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes Kinderheime in Frankreich. Später eröffnete sie mit ihrer Schwester ein Fotoatelier in Flüelen. Leni Willimann-Thöni schloss die Fotoklasse an der Zürcher Kunstgewerbeschule ab und arbeitete seit 1941 mit ihrem Mann, dem Typografen Alfred Willimann, zusammen. 1960 erschien das Buch «Muscheln. Ein Wegweiser zu ungeahnten Sammlerfreuden» mit ihren neusachlichen Fotografien.

Anita Niesz (1925–2013) besuchte ebenfalls die Fotoklasse an der Zürcher Kunstgewerbeschule und veröffentlichte ab 1949 in der Schweizerischen Monatsschrift «Du» ihre Fotoreportagen. Sie arbeitete für Einrichtungen wie die Schweizerische Flüchtlingshilfe und Pro Infirmis.

Ausstellungsdauer bis 14. Juni 2026.

Weitere Informationen unter https://fotostiftung.ch/de

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