Forum Winterthur

15.01.2026 | Lucia Angela Cavegn
Ausstellung «Conrad Meyer: Pionier des Schweizer Barocks»

Bis zum 1. Februar 2026 ist im Kunst Museum Winterthur│Reinhart am Stadtgarten eine spannende Kabinettausstellung über den Zürcher Maler und Kupferstecher Conrad Meyer (1618–1689) zu sehen. Als einer der ersten Schweizer Künstlerpersönlichkeiten hat er sich für die alpine Landschaft interessiert. 1655 reiste er mit seinem holländischen Berufskollegen Jan Hackaert (1628–1685) ins Glarnerland und schuf dort topografisch genaue Ansichten. Gemeinsam wanderten sie durch das Sihltal und schufen Seite an Seite auch Ansichten der Umgebung von Zürich.

Ein schöner Beleg dafür sind ihre Ansichten des Zürichsees mit dem Üetliberg, von Stadelhofen aus gesehen. Die Zeichnung von Conrad Meyer (Leihgabe Kunsthaus Zürich) ist ausgestellt; jene von Jan Hackaert ist im Digital Guide abgebildet. Conrad Meyer braucht als Zeichner den Vergleich mit Jan Hackaert nicht zu scheuen; er war ein aussergewöhnlich genauer Zeichner, was mit seiner Ausbildung zu tun hat. 

Seine erste Schulung erhielt er bei seinem Vater Dietrich Meyer d. Ä. (1572–1658), der bereits ein angesehener Maler und Kupferstecher und Lehrer von Matthäus Merian d. Ä. (1593–1650) war. Letzterer stammte aus Basel und war später in Frankfurt a. M. Verleger. Aus seiner Hand stammen zahlreiche Stadtansichten. Conrad Meyer besuchte Merian während seiner Lehr- und Wanderjahre. Seine Wanderschaft, welche der künstlerischen Weiterbildung diente, führte ihn zuerst nach Bern zu Joseph Plepp, Werkmeister, Maler und bedeutender Kartograph, sowie zu Joseph Werner d. Ä., der ihn in der Porträtmalerei unterrichtete. Die Reise führte dann weiter nach Solothurn, Lyon, Frankfurt, Augsburg und München. An Weihnachten 1642, noch während des Dreissigjährigen Kriegs, kehrte er mit dem Rüstzeug als Figuren- und Landschaftsmaler bzw. -zeichner in seine Heimatstadt Zürich zurück und avancierte dort schnell zum wichtigsten Porträtisten. 

Zusammen mit dem Zürcher Dichter Johann Wilhelm Simler begründete Conrad Meyer die Tradition der Neujahrsblätter. Ab 1645 erschien zum Berchtoldstag zur moralischen Erziehung der Jugend ein Einblattdruck mit einem sinnreichen Text und einer anschaulichen Illustration.

1655 unternahm Jan Hackaert im Auftrag von holländischen Kaufleuten eine ausgedehnte Reise durch die Schweiz, um die Handelsroute durch die Via Mala nach Süden zu dokumentieren. Seine Reise führte ihn nach Zürich, wo er eine Zeit lang Gast beim kunstinteressierten Festungsingenieur Johann Georg Werdmüller (1616–1678) war. Dessen Sohn, Johann Rudolf Werdmüller (1639–1688), war Malschüler von Conrad Meyer. In Conrad Meyers grossformatigen, aus zwei Blättern zusammengesetzten Zeichnung Löntschtal in Glarus (siehe Abbildung) sieht man zwei Figuren auf einem Stein sitzen und malen, die vermutlich Jan Hackaert und Johann Georg Werdmüller darstellen. Conrad Meyer schuf im Glarnerland nicht nur topografische Ansichten, welche das Gelände abbilden, sondern auch akkurate Detailstudien von Felsformationen, die auf ein naturwissenschaftliches Interesse schliessen lassen. Die für ihre Zeit aussergewöhnlichen Blätter werden in der Zentralbibliothek Zürich aufbewahrt und sind bislang nur selten ausgestellt worden. 

Überhaupt ist Conrad Meyer ein Künstler, dessen Schaffen lange einer wissenschaftlichen Aufarbeitung harrte. 2025 ist beim Schwabe Verlag eine umfassende Publikation erschienen, die den Anstoss gab, einige von Meyers Originalen öffentlich zu zeigen. Die Ausstellung umfasst neben Zeichnungen auch Landschafts- und Porträtgemälde sowie von ihm illustrierte Neujahrsblätter. Kurator der Ausstellung ist David Schmidhauser.

Lucia Angela Cavegn

Ausstellungsdauer bis 1. Februar 2026
Weitere Informationen unter: LinkDigital Guide

Sagen Sie uns Ihre Meinung

Kommentar schreiben

Teilen Sie diesen Artikel