16.11.2020

Wird unsere Volksschule zur Staatsschule?

Im Rahmen der Totalrevision der Gemeindeordnung, welche durch das neue kantonale Gemeindegesetz nötig ist, will der Stadtrat die bisherige Behördenstruktur ändern und die Schulpflege im Quartier abschaffen.

Einmal im Jahr besucht meine Schulpflegerin aus dem Quartier meinen Unterricht, nimmt wahr, wie meine Schüler arbeiten und wie ich als Lehrer in der Klasse agiere. Sie gibt mir eine Rückmeldung ihrer Wahrnehmungen und trägt das Bild, welches sie aus weiteren Schulbesuchen erhalten hat, ins Quartier und die schulpolitischen Diskussionen innerhalb ihrer Partei ein. Das führt zu einer Verankerung im Quartier und gibt unserer Volksschule die nötige Verbindung zur Bevölkerung.

Das bisherige Konstrukt, welches den Kreisschulpräsidenten erlaubt, sich über Weisungen der Zentralschulpflege hinwegzusetzen, muss dringend angepasst werden. Darüber sind sich alle einig. Der Stadtrat schlägt nun aber eine Struktur vor, in der eine zentrale Schulpflege weit weg von der Schule, den Schülern und den Eltern, den Lehrern und somit vom Geschehen ist.

Durch das Schulamt unterstützt, legt diese Schulpflege strategische Vorgaben fest, die sie den Oberschulleitern weitergibt, welche ihrerseits diese an die Schulleiter vor Ort weiterleiten. Irgendwann kommen die Vorgaben der Zentralschulpflege vielleicht auch noch in den Schulzimmern an. Keiner der diversen Schulleiter und Mitarbeiter im Schulamt muss über eine pädagogische Ausbildung verfügen. Somit führt diese Behördenreorganisation vor allem zu einer Aufblähung des Verwaltungsapparates.

Klar ist, das eingangs geschilderte Bild meiner engagierten Schulpflegerin trifft nicht mehr überall zu. Es hängt wie so oft vom persönlichen Engagement der einzelnen Schulpflegerin ab. Die Gefahr besteht, dass mit der vorgeschlagenen Behördenreorganisation unsere erfolgreiche Volksschule zur Staatsschule wird. Dabei gehen viele wichtige Kontakte zur Bevölkerung vor Ort und zum Quartier verloren. Das finde ich schade und lehne deshalb den Vorschlag des Stadtrats ab.

Kaspar Vogel, Sekundarlehrer und Mitglied CVP-Winterthur

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