03.08.2021

Eine gesunde Portion Vorsicht ist angebracht

Inflation ist das Thema und wird es wohl auch bleiben. Extremste Geld- und Fiskalpolitik gleichzeitig gehen nicht spurlos an uns vorüber. Auch wenn die US-Inflation aktuell von Einmalfaktoren geprägt ist, mittelfristig wird sich etwas tun. Zunächst wohl eher langsam. Gleichzeitig wird die Dynamik des Aufschwungs schwächer. Das ist normal nach einer solch starken Startphase.

Noch leben die Finanzmärkte in der besten aller Welten: hohe Wachstumserwartungen und tiefe Zinsen. Das muss man mitnehmen. Zu gierig dürfen wir aber nicht werden. Wirtschaftserholung und Börsenhausse sind im Wesentlichen politikgemacht! In Phasen einer möglichen Überhitzung an den Aktienmärkten wird die Portfoliosteuerung immer wichtiger. Wir stützen uns dabei auf unser regelbasiertes Anlagekonzept ab. Nicht die Gier soll uns leiten, sondern konsequente Bewirtschaftung.

Die konjunkturellen Rahmenbedingungen sind positiv, der Wendepunkt aber näher als auch schon. Unternehmerische Vorsicht gebietet es, die Treiber des Erfolges zu kennen und falls nötig rechtzeitig korrigierende Massnahmen zu lancieren. Die gleichen Grundsätze sollten auch für die Politik gelten. Ein erhöhtes Augenmerk sollte der Effizienz der Mittelallokation, der Kostenkontrolle aber auch dem Schuldenabbau geschenkt werden. Die lokale Politik macht im Moment das Gegenteil. Es wird nichts gemacht, was den Wirtschaftsstandort stärken würde. Die Rahmenbedingungen werden sogar laufend verschlechtert und übermässig Kosten generiert. Für das Halten unseres Wohlstandes sind wir aber auch künftig auf eine starke Wirtschaft angewiesen.

Die Konjunkturdynamik hat im Vergleich zum Vormonat abgenommen. Dafür verantwortlich waren in erster Linie China und die USA. Beide haben wie erwartet die stärkste Phase der Erholung nun hinter sich. Noch in voller Fahrt zeigt sich Europa, wo die vorlaufenden Indikatoren Werte erreichen, die zuletzt zu Beginn des Jahrhunderts zu sehen waren. In Europa scheint sich nun immer stärker die Delta-Variante des Coronavirus zu verbreiten. Wie stark wird der Gegenwind ausfallen? Dies hängt einerseits von der Politik und andererseits vom Verhalten der Bevölkerung ab – beides notorisch schwierig abzuschätzen. Signale aus der Politik deuten darauf hin, dass vorläufig kaum Massnahmen ergriffen werden, welche direkt einen messbaren Einfluss auf die Wirtschaftsleistung ausweisen. Die Reaktion der Bevölkerung wiederum hat über den Verlauf der Krise stetig abgenommen: Gewöhnungseffekte, Impffortschritte und die bisher noch tief bleibende Hospitalisierungsrate sprechen auch aus Verhaltenssicht dafür, dass die Effekte diesen Sommer noch klein bleiben dürften. Die Risiken werden im Verlauf des Jahres saisonal bedingt vermutlich aber zunehmen. In den USA hat sich der Konsum sehr rasch aus seinem tiefen Loch befreien können. So hat dieser im Frühling Höhen erreicht, als hätte es Corona nie gegeben. Was kann daraus gelernt werden? Die Ursachen einer Rezession machen den Unterschied. Eine Aktienmarktkrise, eine Privatschuldenkrise oder eine Pandemie wirken sich anders aus. Noch entscheidender ist aber die Reaktion von Fiskal- und Geldpolitik – nur dank ihr konnte sich der Konsum dieses Mal so rasch erholen.

Die Marktbewegungen an den Aktienmärkten im vergangenen Monat waren von erhöhter Nervosität geprägt, diese ist sicherlich auch den mittlerweile stattlichen Bewertungen geschuldet. Die Signale unseres Bewirtschaftungskonzeptes stehen nach wie vor auf Grün. Die Risikosignale nähern sich analog der Bewertungen ihren Höchstständen. In diesem Umfeld ist eine gesunde Portion Vorsicht angebracht.

Winterthur Consulting Group AG
Rolf Gloor, Dr. Ralph Peterli

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