24.01.2021

Gegen das Burkaverbot – Ja zu einer multikulturellen Gesellschaft

Was für ein Zeichen setzen wir, wenn wir am 3. März 2021 JA zum Burkaverbot sagen würden? Wäre dies ein Ja für mehr Frauenrechte? Mitnichten. Kleiderordnungen sind ein Relikt von vor-vorgestern, die nichts in der Verfassung eines aufgeklärten, liberalen und weltoffenen Landes zu suchen haben.

Auch ich bin gegen Burkas oder Niqabs. Dennoch finde ich, diese Initiative ist abzulehnen. Weil es bei dieser Initiative um nichts anderes als scheinheiliger Symbolpolitik geht und um Stimmungsmache gegen wenige Menschen. Da wird im Namen der Gleichstellung ein Burkaverbot gefordert. Dabei besteht bei dieser wahrlich unheiligen Verknüpfung von Gleichstellung und Burkaverbot vor allem die Gefahr, dass berechtigte Gleichstellungsanliegen rassistisch instrumentalisiert werden. Fakt ist: Es gibt kaum Burka- und Niqabträgerinnen in der Schweiz. Gemäss Bundesrat sind es aktuell zwischen 95 und 130 Personen in der Schweiz. Da stellt sich aus meiner Sicht doch unausweichlich die Frage: Wo liegt das Anliegen der Initianten tatsächlich? Denken wir nach, bevor wir abstimmen. Diese Initiative verstösst eindeutig gegen unsere liberale Verfassung, verletzt die Selbstbestimmungsrechte der Frau und generell der Menschen in unserem Land. Das ist gegen eine pluralistische Gesellschaft gerichtet. 

Wir sind ein multikulturelles Land und das soll auch so bleiben! Eine Politik der Ausgrenzung entspricht nicht unserer Kultur. Der Tradition in unserem Land entspricht es viel mehr, dass wir an der Integration von Menschen arbeiten und offen sind für Menschen – egal woher sie ursprünglich kommen. Aus meiner Sicht sollte der Staat dafür sorgen, dass keine Frau von der Familie oder anderen Personen dazu gezwungen wird, sich zu verschleiern. Ein Burkaverbot ist trotzdem kein Schritt für mehr Frauenrechte. Denn verschleierte Frauen würden durch Verbote im Alltag noch zusätzlich ausgegrenzt. Eine klar definierte Einschränkung der Verschleierung ist zwar absolut legitim, falls die öffentliche Sicherheit auf dem Spiel steht oder allgemeine Regeln für bestimmte Berufe gelten müssen. Das ist vernünftig und darauf zielt der Gegenvorschlag des Bundesrates ab. Somit appelliere ich an die Stimmbevölkerung, am 3. März 2021 zur Initiative Nein zu sagen und den Gegenvorschlag anzunehmen. 

André Zuraikat, Gemeinderat CVP Winterthur 

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Markus Reinhard 05.02.2021, 07:10

Lieber André

Ich kann dir nur empfehlen den Gastbeitrag "Warum linke Frauen für das Verhüllungsverbot stimmen müssen" von Frau Gisela Widmer im heutigen Landbote zu lesen. Eine sehr interessante Rundumschau und spannende Inputs zu deinen Argumenten.

- Denn der Nikab, respektive dessen Verbot, ist nicht einfach nur eine «Kleidervorschrift»: Er ist die Kutte des politischen Islam, der wiederum so viele erzkonservative, patriarchale und auch faschistoide Elemente beinhaltet, dass eigentlich alle, die sich als einigermassen liberal bezeichnen, laut und permanent aufheulen müssten.

- Zudem: Wer erklärt, die Frauen sollten sich selbst entscheiden dürfen, ob sie sich verhüllen wollen oder nicht, ist von einer grenzenlosen Blauäugigkeit. In den Ländern mit staatlich, moralisch oder auch nur sozial geforderter Verschleierungsvorschrift steht keine Frau am Morgen auf und sagt: «Schatz, gell, heut geh ich ohne Nikab raus.» Wie «freiwillig» das Tragen einer Burka ist, zeigt ein Blick nach Afghanistan: Auf Bildern von Kabul aus den 50er- und 60er-Jahren zu Zeiten von König Mohammed Zahir Schah sieht man kaum eine Frau unter einer Burka. Dann zog der spätere Mujahedin-Führer Gulbuddin Hekmatyar durch die Gassen von Kabul und zerstörte zusammen mit seinen Spiessgesellen die Gesichter der unverschleierten Frauen mit Säure.

- Doch selbst wenn auch die hiesigen Nicht-Punks den Nikab freiwillig trügen; selbst dann sollten Linksliberale doch ein Zeichen setzen und so, wie dies in sechs europäischen Ländern bereits geschehen ist, durch ein Verhüllungsverbot signalisieren: Nein, einem Menschen einen Sack über den Kopf zu stülpen, ist menschenunwürdig.

André Zuraikat 04.02.2021, 06:14

Gerne möchte ich auf den Kommentar von Markus Reinhard eingehen.
Wenn es rein aus Sicherheitsgründen wichtig ist das Verhüllungsverbot durchzusetzen, genügt auch der Gegenvorschlag.
Extremismus hat in unserer Gesellschaft keinen Platz, aber den Frauen wird damit gar nicht geholfen, wenn irgendwelche Kleidervorschriften in der Verfassung verankert sind. Diese gehören auch nicht dorthin. Es muss auf Gesetzesebene etwas passieren und dies wird mit dem Gegenvorschlag gemacht: Keine Frau darf gezwungen werden sich zu verhüllen. Damit ist das Problem gelöst.
Ich weise also diese Behauptung vehement von mir, dass ich dafür bin Frauen müssen sich verhüllen! Noch nie in meinem Leben habe ich jemals so etwas behauptet!

Markus Läderach 30.01.2021, 18:53

Ich kann mich dem Votum von Andre Zureikat zu 100% anschliessen. Den wiederholt versteckt fremdenfeindlichen und beinahe peinlich von Lügen begleitenden Vorlagen ist eine gründliche Abfuhr zu erteilen, damit der Gegenvorschlag angenommen wird.

Markus Reinhard 25.01.2021, 16:12

Der Schreibende unterliegt hier gleich mehreren Irrtümern: 1. geht es bei der Volksinitiative für ein Verhüllungsverbot nichtg nur um Burka und Niqab, sondern auch um das Verbot sein Gesicht allgemein zu verhüllen, also die Initiative richtet sich 1:1 auch gegen Krawallanten und Terroristen.

Und selbstverständlich ist der Zwang für Frauen im radikalen Islam eine Burka oder einen Niqab tragen zu müssen ein ganz direkter Angriff auf die Rechte der Frau, auf ihre Gleichberechtigung und Selbstbestimmung. Diese Verhüllungen sind der direkte und unmissverständliche Ausdruck, dass die Frau weniger wert ist und weniger Recht hat, als der Mann. Im Koran ist das Verhüllungsgebot nicht einmal zu finden, daher ist es auch keine religiöse Angelegenheit.

Der vom Schreiber behauptete Verstoss gegen die Verfassung ist ein schlechtes Scheinargument. Verwundert muss man sich sogar die Augen reiben, dass jemand für die gleichgeschlechtliche Ehe ist (was ich auch bin) und gleichzeitig will, dass in unserem liberalen und freiheitlichen Land Frauen ins Stoffgefängnis gezwängt und unterdrückt werden.

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