27.10.2022

Ausverkauf - Unwort des Jahres?

Ausverkauf könnte das Unwort des Jahres werden. Ausverkauf findet statt, wenn man zu viel im Lager hat und die Nachfrage schwächelt. Noch wachsen die Lagerbestände der Unternehmen. Dass die Nachfrage schwächeln wird, scheint angesichts der weltweit miserablen Konsumentenstimmung wahrscheinlich. Ausverkauf gibt es auch an den Finanzmärkten und dieser hält weiter an. Chancen daraus ergeben sich aber erst selektiv. Das Umfeld bleibt für alle Anlageklassen schwierig. Es ist dennoch sinnvoll, nicht zu weit vom Markt entfernt positioniert zu sein. Risikobewirtschaftung bleibt unverändert relevant.

Expansive Fiskalausgaben bei gleichzeitig kontraktiver Geldpolitik ergeben eine gefährliche Mischung. Alle Autofahrer kennen das: ‘Gas geben und auf die Bremse stehen, macht nur die Kupplung kaputt!’. Steigende Zinsen bei wachsenden Defiziten bringen nicht nur das Finanzsystem an seine Stabilitätsgrenzen. Auch der Staat kann so seine Aufgaben nicht nachhaltig erfüllen. In der Schweiz halten sich die Einkaufsmanagerindizes von Industrie und Dienstleistern immer noch auf ansprechenden Niveaus. Trotz deutlichem Rückgang seit Jahresbeginn verfügt die Schweiz weltweit über einen Spitzenwert der Stimmungslage bei den Unternehmen. Bei genauerer Betrachtung fällt aber auf, dass die Produktionszahlen in den letzten Monaten vor allem dem Lageraufbau gedient haben. Eine Enttäuschung lieferten die Exportzahlen, welche im Q3 wohl erneut tieferes Wachstum vermuten lassen. Die Inflationsentwicklung auf Produzentenpreisstufe bleibt im internationalen Vergleich niedrig. Die Konsumentenpreisinflation ist im September sogar leicht rückläufig gewesen. Dennoch werden wir, auch aus dem globalen Kontext heraus, mit steigenden Werten rechnen müssen. Die SNB wird daher wohl auch weiterhin die Geldmarktsätze anheben.

An den Finanzmärkten fühlt es sich an wie im Ausverkauf. Die Preise purzeln. Kaum eine Anlageklasse konnte sich im Verlaufe des Jahres den Auswirkungen des rasanten Zinsanstiegs entziehen. Seit Jahresanfang bewegen sich die Verluste auf Obligationenanlagen in etwa auf dem Niveau von Aktienanlagen. Eine solche ‘unheilige’ Kombination kommt an den Finanzmärkten nur sehr selten vor. Mitte der Neunzigerjahre, während der letzten Phase steigender Zinsen, gab es einmal ein ähnlich schlechtes Jahr an den Aktien- und Obligationenmärkten. Dass man solche negativen Schwankungen bei Aktien akzeptieren muss, war grundsätzlich bekannt. Aber bei Obligationen! Wie war das mit der Sicherheit und dem Risiko in dieser Anlageklasse oder werden hier einfach Äpfel mit Birnen verglichen? Der Sicherheitsaspekt bezieht sich bei einer klassischen Obligation v.a. auf die Rückzahlung des Nominalbetrages bei Verfall. Die Risikokomponente ist hingegen von der jeweiligen Zinsbewegung abhängig und unterliegt deshalb ähnlichen Schwankungen wie eine Aktienanlage.

Um die Schwankungen bei Investitionen in Aktien einzugrenzen, haben wir unseren regelbasierten Ansatz entwickelt. Im Sinne eines aktiven Risikomanagements steuern wir mittels Momentum- und Trendsignalen unsere Investitionsentscheidungen. Frei nach dem Motto: ‘Risiken nicht meiden, sondern bewirtschaften’.

Winterthur Consulting Group AG
Rolf Gloor / Dr. Ralph Peterli

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