29.12.2020

2020 Jahr des COVID-19 – Erkenntnisse nach 12 Monaten Pandemie

Als sich im Dezember 2019 erste Informationen über den Ausbruch einer neuen Lungen-/Atemkrankeit in China verbreitete, dachten wohl noch die wenigsten Personen, dass diese Krankheit die Welt fundamental beeinflussen und verändern wird. Welche Lehren lassen sich heute, 12 Monate später ziehen?

1. Regelungen müssen verständlich und nachvollziehbar sein
In den letzten zwölf Monaten haben Bundesrat und Kantonsregierungen diverse Anordnungen erlassen, um die Pandemie unter Kontrolle zu bringen. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob einzelne Vorschriften zu früh oder zu spät kamen. Eine wichtige Erkenntnis bleibt: Regeln, die einleuchtend, nachvollziehbar und konsistent sind, werden besser befolgt. Bürgerinnen und Bürger wollen als erwachsene Personen behandelt werden. Aussagen wie «wenn Ihr jetzt nicht unsere Anordnungen befolgt, dann müssen wir strengere Saiten aufziehen» bringen nichts und sind ein falsches autoritäres Gehabe der Politik.

Was wir bei der Corona Bekämpfung gelernt haben, gilt auch für andere Herausforderungen, wie zum Beispiel den Klimawandel. Auch hier müssen Massnahmen und Vorschriften konsistent, verständlich und nachvollziehbar sein, wenn wir damit Erfolg haben wollen.

2. Technologie als Grundlage für erfolgreiche Lösungen
Modelle wie Home Office funktionierten, weil wir dank Internet, PC und Videokonferenzen von zu Hause arbeiten und Meetings und Veranstaltungen virtuell durchführen konnten. Wegen COVID hat die Digitalisierung auf vielen Ebenen Fortschritte gemacht. Die Tatsache, dass 12 Monate nach Auftreten des COVID-19 Virus bereits Impfstoffe zur Verfügung stehen, ist eine grossartige Leistung der Wissenschaft. Der Fortschritt beruht auf neuen Technologien und so sollten wir allgemein neue Technologien mehr fördern. Was heisst dies für Winterthur: Weshalb ist Winterthur stolz darauf, eine Kultur- oder Gartenstadt zu sein? Weshalb gibt es kein starkes Bekenntnis zu Winterthur als Technologiestadt? Warum werden seitens der Stadt Kunststipendien vergeben aber keine Stipendien für junge Wissenschafter. HAW, Technopark und House of Winterthur wollen mit ihrer Clusterinitiative einen Beitrag leisten, dass Winterthur auch als Technologiestadt wahrgenommen wird. Die Digitalisierung wird uns auch nach Corona beschäftigen und so braucht die Stadt Winterthur dringend eine Digitalisierungsstrategie. Ein wichtiger Schritt wäre, dass alle städtischen Dienstleistungen digital verfügbar wären und auch, dass jede Einwohnerin und jeder Einwohner sein persönliches Login hätte. Es ist interessant festzustellen, dass der Grosse Gemeinderat mehr Zeit für Diskussionen zum Thema Tempo 30 und Geschlechterquoten aufwendet, als einmal die Anforderungen an eine Digitalstrategie für Winterthur zu definieren oder die Bedeutung des Datenschutzes für die Einwohnerinnen und Einwohner von Winterthur.

3. Staatliches Handeln neu gedacht
Covid-19 hat gezeigt, dass sich ein Virus weder an Staatsgrenzen oder an Verfassungsvorschriften und Verwaltungsabläufe hält. Für die Zukunft muss diskutiert werden, wie staatliche Stellen schneller und besser abgestimmt Entscheidungen treffen können, ohne dass die demokratischen Mitwirkungsrechte unverhältnismässig eingeschränkt werden. Es gibt aber auch eine Diskrepanz zwischen getroffenen Entscheidungen und operativer Umsetzung. Das Contract Tracing ist ein gutes Beispiel; besser wurde es erst als private Firmen engagiert wurden. Ob die vielen Medienkonferenzen und die unkoordinierten Medienauftritte von Mitgliedern der Task Force und Spitaldirektoren zur Lösungsfindung beigetragen haben, kann man bezweifeln. Das Sprichwort Reden ist Silber und Schweigen ist Gold, hat seine Bedeutung nicht verloren. Unsere Schlussfolgerung ist: so wie in der Vergangenheit Gesamtverteidigungsübungen durchgeführt wurden, müssen zukünftige Szenarien wie Pandemien oder Cyberattacken analysiert und Gegenmassnahmen vorbereitet und geschult werden. Gleichzeitig ist noch stärker zu überlegen, welche Aufgaben die öffentliche Hand selber erledigt und wo diese nur die Rahmenbedingungen definiert und die operative Ausführung privaten Unternehmen und Organisationen überlässt.

Zusammenfassend hat die Schweiz insgesamt die Pandemie bis jetzt recht gut bewältigt und pragmatisch neue Wege und Lösungen gesucht, die natürlich nicht immer gleich erfolgreich waren. Auch die vielen Todesfälle stehen für individuelle Tragödien und dürfen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Vielleicht ist die Corona Situation aber auch Anlass dazu, über die eigene Endlichkeit und die Bedeutung des Todes in unserer Gesellschaft nachzudenken.

Wir sind zuversichtlich, dass rückblickend gesehen COVID-19 viele Veränderungen ausgelöst hat und unsere Gesellschaft und Wirtschaft insgesamt gestärkt aus der Pandemie heraus kommen werden.

Ralph Peterli, Geschäftsführer Handelskammer und Arbeitgebervereinigung Winterthur

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